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MAGAZIN CeBIT 2009
Der etwas andere Cebit-Rückblick
von Daryush Ghassemi am Mo, 09.03.2009 10:27 Uhr


Cebit - Im Schlafsack durch Hannover

20. Januar 2009
Wenn man in der IT-Branche arbeitet, muss man stets über die neusten Trends informiert sein. Deswegen beschließe ich, nach über zehnjähriger Abwesenheit einmal wieder zur weltgrößten Computermesse zu fahren.

21. Januar 2009
Green IT ist der Trend des Jahres.
Überall Grünzeug, wo man nur hinsieht.
Aber wo sind die Computer?
Ein freundlicher Besucher meint, dies hier sei nicht die CeBIT, sondern die Grüne Woche. Empört schreibe ich den Veranstaltern, sie sollen Ihre Messen künftig besser voneinander abgrenzen.

Montag, 2. März 2009
Der Abstecher zur falschen Messe hat sämtliche Ersparnisse aufgefressen.
Wie komme ich jetzt an ein CeBIT-Ticket?
Ich versuche unseren Personalchef zu Bestechen, lade ihn zu seinem Lieblingsessen ein: Frische Miesmuscheln. Leider waren die Miesmuscheln frisch abgelaufen, und er muss fortan die Toilette hüten. Immerhin habe ich mein Ziel erreicht: Ich darf sein Ticket haben.

Dienstag, 3. März 2009
Mit dem ICE reist man schnell & komfortabel nach Hannover. Das ich mit dem Fahrrad zur CeBIT fahren muss, ist daher irgendwie dumm gelaufen. Außerdem hat mir keiner gesagt, dass ich noch einen Platz zum Übernachten brauche.
Kurzerhand kommt mir die rettende Idee:
Wie schon während meines Jahresurlaubs checke ich einfach in der Bahnhofsmission ein.

Endlich auf dem Messegelände angekommen, darf ich eine Rede von Arnold Schwarzenegger erleben. Der Gouverneur von Kalifornien erläutert, wie das Silicon Valley die Wirtschaftskrise meistern will: Künftig sollen im Hightech-Tal Spezialitäten aus der Steiermark produziert werden. Mit dem kalifornischen Bier konnte sich der Gouverneur schließlich noch nie anfreunden.

Mittwoch, 4. März 2009
Die Bahnhofsmission schickt mich ohne Essen aus dem Haus.
Also muss ich mich bei dem Pressefrühstück eines bekannten Halbleiterherstellers stärken.
Auf den Einwand, ich sei kein Pressevertreter, entgegne ich, das ich nebenberuflich Entsafter verkaufe.

Am Nachmittag muss ich dringend das fettige Mensaessen etwas sacken lassen, und lade mich selbst zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Green IT“ ein.
Mein Einwand:
Die Produktion neuer Geräte verbraucht mehr Strom und erzeugt mehr Verschmutzung, als durch den verringerten Energieverbrauch wieder eingespart wird.
Meine Bedenken werden von den ausrichtenden Firmen dankbar angenommen:
Mit den Worten "Jetzt haben Sie sich aber eine kleine Stärkung verdient" steckt man mir diskret einen Zehner zu.

Donnerstag, 5. März 2009
Ich nehme mir fest vor, so viel wie möglich aus der diesjährigen CeBIT mitzunehmen.
Deswegen nutze ich den klangvollen Namen meines Arbeitgebers, um von allen Ausstellern hochwertige Werbegeschenke zu erbetteln:
„Haben Sie vielleicht `nen Kuli übrig...?“

Freitag, 6. März 2009
Ein weiterer Megatrend, der auf der CeBIT diskutiert wird: „Webciety“.
Auf gut deutsch steckt dahinter die gewagte These, dass das Internet mehr und mehr alle Lebensbereich durchdringt.
So ein Schwachsinn, das sind doch alles an den Haaren herbeigezogene Mutmaßungen.
Gelangweilt verziehe ich mich mit meinen Smartphone in eine ruhige Ecke, schreibe ein paar E-Mails, checke meinen Kontostand, und schaue mir bei Neckermann Online die Damenunterwäsche an.

Samstag, 7. März 2009
Großzügig biete ich den weiblichen Vertretern unserer Lieferanten an, mit mir unter vier Bettlaken unsere Geschäftsbeziehungen zu vertiefen.
Aus dem verhaltenen Interesse schließe ich, das die Wirtschaftskrise so schlimm noch nicht sein kann.
Vielleicht hat auch jemand den Damen verraten, wie wichtig und bedeutend ich in meiner Firma bin.
Aber wer könnte so gemein sein?

Sonntag, 8. März 2009
Die CeBIT war ein voller Erfolg für mich:
Meine Aldi-Tüte mit zusammengeschnorrten Werbegeschenken ist prall gefüllt.
Anscheinend zu prall: Vor den Augen aller Leute reißt der Beutel, und die ganzen schönen Kugelschreiber, Aufkleber, Notizböcke und Bonbons breiten sich sorgfältig auf dem Boden aus. Unser Pressesprecher bittet mich, demnächst der Messe fernzubleiben. Das Ansehen unserer Firma habe in den vergangenen Tagen stark gelitten.

Kein Problem: Dann gehe ich eben wieder zur „Grünen Woche“.




 


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