Was ist der Nachteil von günstigen Versendern im Internet? - Dass Sie so günstig sind.
Genauer gesagt: Sie sind so günstig, dass sie keine weiteren Spielräume mehr haben. Weder für Mengenrabatte, noch für kostenlose Beigaben. Und meistens ist noch nicht einmal eine Übernahme der Versandkosten drin.
Und dadurch, dass man auf breiter Ebene günstig sein möchte, kann man auch dem langjährigen und treuen Stammkunden nur dieselben Konditionen anbieten wie dem spontanen und wechselhaften Neukäufer.
Kostenlose Beigaben
Mein Vorschlag, unseren geschätzten Kunden als kleines Dankeschön zumindest ein kostenfreies Mauspad beizulegen, stieß leider auf taube Ohren. Begründung: Im Zeitalter optischer Mäuse könnte sich der Kunde leicht auf den Arm genommen fühlen.
Eigentlich muss man die Frage stellen dürfen, ob kostenlose Beigaben seitens der Händler wirklich notwendig sind. Ich sage mal provokant: Nein. Denn die Notebookhersteller erfreuen doch bereits seit Jahren die Kunden mit kostenfreien Beigaben, und ernten dafür statt der gebotenen Dankbarkeit lediglich Nichtachtung bis hin zu offener Ablehnung.
Da gibt es beispielsweise
"Registration Manager", die den Benutzer mit ausdauernder Geduld daran erinnern, sich registrieren zu lassen. Nur um nach einer kurzen (und die Privatsphäre weitestgehend respektierenden) Registrierung über bahnbrechende Neuerungen bezüglich seines Maustreibers auf dem Laufenden zu bleiben.
Da gibt es
Antiviren-Software, die selbst nach einer herzlosen Deinstallation durch den Benutzer noch mit Nibelungentreue im System verharrt.
Da gibt es
Toolbars von ebay, Yahoo und Beate Uhse, welche mit ausgefeilten Sonderfunktionen das Surfen im Internet überhaupt erst praktikabel machen, und die ohnehin überdimensionierten Browserfenster auf ein erträgliches Minimum reduzieren.
Da gibt es
Quickstart-Assistenten, welche Gigabyte-große Programme praktischerweise gleich beim Systemstart in den Arbeitsspeicher laden, um den Benutzer in Falle eines Falles unnötige Wartezeiten zu ersparen.
Da gibt es die
herstellerspezifische Software, welche auf durchdachte Weise Funktionen anbietet, die zwar zugegebenermaßen auch schon in Windows integriert sind, aber halt eben noch nicht so gut. Und doppelt gemoppelt hält schließlich sowieso besser.
Und auch
hardwareseitig wird man mit zahlreichen Sondertasten, Rädchen, Knöpfen, Schaltern, Schiebereglern, leuchtenden Displaydeckeln und bunten Knöpfen verwöhnt. Denn wie das Negativbeispiel Apple eindrucksvoll demonstriert, macht eine Reduktion auf das wesentliche die Geräte nur unansehnlich und schwierig zu bedienen.
Kurz: Käufer sind undankbar
Man bekommt also als Kunde heutzutage neben dem eigentlichen Notebook noch eine Fülle von kostenlosen Extras mitgeliefert, welche findig und zielsicher die dringendsten Bedürfnisse der Kunden erfüllen.
Und trotzdem sind die meisten nicht zufrieden. Ja mehr noch: nicht wenige versuchen sogar in einem Anfall von Undankbarkeit und geistiger Umnachtung, diese handverlesenen Beigaben wieder loszuwerden.
Besonders hinterhältige Naturen bestellten sich in der jüngsten Vergangenheit einfach direkt bei Microsoft einen lizenzfreien Vista-Datenträger, benutzen ihre vorhandene
Vista-Lizenz für eine verheerende Neuinstallation, und ersetzten die von den Herstellern erschaffene Artenvielfalt durch eine spartanische Monokultur. Glücklicherweise wurde dies inzwischen von Microsoft unterbunden; Vista-DVDs gibt es fortan nur noch mit Lizenz. Verständlich.
Geschenke abzulehnen, gilt schließlich nicht nur in meiner orientalischen Kultur als extrem unhöflich.
So mancher mag jetzt fragen:
"OK, aber warum bekomme ich bei all' der Großzügigkeit nicht einfach Microsoft Office kostenlos vorinstalliert?
Dem kann ich nur entgegen: Wer den Pfennig nicht ehrt, dem wird man den Taler nicht anvertrauen. Wenn aber die Nutzer erst einmal die in liebevoller Kleinarbeit zusammengestellten Beigaben wirklich schätzen und vor allem auch nutzen würden, dann könnte sich bestimmt auch eine kostenlose Version von Microsoft Office etablieren.
Finanzieren ließe sich das Ganze dadurch, dass auch Werbung auf den Dokumenten des Nutzers aufgedruckt wird.
Neben der Preisersparnis hätte das einen weiteren und nicht von der Hand zu weisenden Vorteil: Durch die obligatorischen Werbeaufdrucke würde sich der freie Platz auf den Dokumenten verringern. Und man müsste sich endlich nicht mehr so viele Gedanken machen, wie man das verdammte weiße Blatt voll bekommt.