Hallo Sascha. Für alle unsere Leser die dich nicht kennen, wer bist du und was machst du ?
Mein Name ist Sascha Pallenberg und ich betreibe
Netbooknews.de und
Netbooknews.com, berichte also über Netbooks und mobile Computing. Parallel dazu bin ich der "Host" des Netbook World Summit in Paris, sowie einer der Berater und Sprecher auf dem Netbook Summit in San Francisco.
Der Netbook-Markt boomt, leider stechen in Deutschland keine Geräte wirklich aus der Menge. Sind die deutschen Business-Units der großen Hersteller ängstlich gegenüber Neuem ?
Die deutschen Offices sind generell nur Verwalter der vorgegebenen Strategien, die nun einmal in den Stammsitzen in Nord-Amerika und Asien kreiert werden. Als sogenanntes "Branch-Office" hast du da kaum Einfluss drauf und das obwohl gerade Deutschland einer der führenden Netbook-Märkte ist.
Netbooks werden in Asien gebaut und im Falle von Dell und HP zumindest ansatzweise noch in den USA designed. Die komplette Industrie spielt sich also im Osten ab und hier ist auch das größere Wachstum festzustellen. Wenn ich mir anschaue, dass locker über 150 Systeme in Shenzhen gefertigt werden, von denen wir niemals etwas sehen werden, dann liegt das eher an der Ängstlichkeit der deutschen ODMs, die solche Plattformen in kürzester Zeit lablen und auf den deutschen Markt einführen könnten.
Zum Teil denkt man jedoch immer noch, dass in China minderwertige Qualität produziert wird, was nicht der Fall ist.
Im asiatischem Raum wird man gar vor Neuheiten im Mini-Sektor überschwemmt. Welche Highlights aus der östlichen Welt werden sich deiner Meinung nach auch in Deutschland umsetzen ?
Innerhalb der nächsten 2 Jahre werden die westlichen Märkte von billigen Android Tablets und Smartbooks überschwemmt werden. Ich meine Damit Systeme im Preisbereich zwischen 50 und 150 Euro, die natürlich stark limitiert sind aber vor zum surfen und Musik anhören locker ausreichen.
Absolute Lowcost-PCs sind der Trend für die nächsten 2 Jahre und durch den Tablet-Boom, werden wir auch diesen Formfaktor immer häufiger zu Preisen im zweistelligen Euro-Bereich sehen.
Der Glossy-Wahn trifft in Deutschland nun auch den Netbook-Bereich. Gibt es tatsächlich Anwender die einem minimalen Aufpreis scheuen und zu einem stark spiegelndem Display greifen ? Was hältst du von solchen Display-Varianten ?
Das interessante ist ja, dass dieser Aufpreis eigentlich nicht mehr existiert. Der eigentliche zusätzliche Arbeitsschritt um ein Display wieder matt zu bekommen, kostet heute nur noch wenige Cent. Das Problem ist die Arroganz der Hersteller, denn besonders die Asiaten (mit Ausnahme von Samsung), scheinen sich kaum um die Wünsche der Deutschen Kunden zu kümmern.
Ein Netbook muss ordentlich glänzen, wenn es in einem asiatischen Shop steht. Das ist eine reine Mentalitätsfrage. Ich muss aber auch sagen, dass ein Glossy-Display einige Vorteile bietet. Farben wirken brillanter, das Schriftbild ist klarer. Hier sollte jeder User seine persönlichen Vorlieben überprüfen und dann seine Auswahl treffen. Ich habe selber ähnlich viele Systeme mit Glossy-Display, wie mit einem matten Screen.
ION-Netbooks verbreiten sich bei uns nur in geringem Ausmaß. Ist die HD Wiedergabe und die höhere Grafikleistung wirklich so wichtig für das Netbook Segment ? Warum investiert Intel deiner Meinung nach nicht in ein Produkt, welches auf Augenhöhe mit Nvidias ION / ION 2 liegt ?
Der Markt für diese Netbooks macht vielleicht 10% aus, denn die meisten Anwender möchten dann HD-Wiedergabe lieber auf einem großen Display genießen. Dennoch sind das immer noch einige Millionen Systeme, die man absetzen könnte und darauf spekuliert NVIDIA. Die Frage ist, ob sie sich gegenüber Lösungen wie dem Broadcom Crystal HD Chip durchsetzen können, denn der bietet ebenfalls 1080p Wiedergabe und das zu einem Bruchteil des Preises. Wir dürfen nie vergessen, dass der Intel Atom Prozessor der Flaschenhals bei den Netbooks ist. Selbst mit ordentlich Grafikpower, werden wir keine aktuellen Spiele ruckelfrei genießen können.
Intel hat zum einen nicht das GPU-Knowhow um NIVIDIA hier etwas entgegenzusetzen und zum anderen versuchen sie alles, um die Netbook Plattform nicht zu performant werden zu lassen, denn das würde die Verkäufe der Ultra-Thin bzw. CULV-Klasse noch stärker beeinflussen. Wir sollten also alle ein paar Kerzen anzünden und darauf hoffen, dass AMD 2011 mit dem Bobcat endlich ein As im Ärmel hat. Nachdem sie die CPU bereits 2006 ankündigten, wird es auch langsam Zeit und dürfte dann für ordentlich frischen Wind sorgen.