Wer auf dem Notebook-Markt erfolgreich sein will braucht findige Mitarbeiter, die für Ihre Kunden die zukünftigen Entwicklungen weit vor dem Markt auf Relevanz und Nutzen beurteilen können.
So wie mich zum Beispiel.
Ohne falsche Bescheidenheit darf ich erwähnen, dass der Siegeszug der Netbooks von mir längst vor der Markteinführung vorausgesehen wurde. Als echter Team-Player ließ ich auch meine Kollegen an meinen Erkenntnissen teilhaben:
„Also, wenn Ihr mich fragt, werden sich diese Netbooks nie durchsetzen. Die braucht doch echt kein Mensch. Solange man ein Notebook problemlos mit dem Auto transportieren kann, ist das doch Mobilität genug.“
Aber auch meine Kollegen erkannten das Potential dieser neuen Geräteklasse, als uns ein Testmuster des EeePC erreichte. Hier beispielhaft einige von Kompetenz und Aufgeschlossenheit zeugenden Kommentare:
„Das Display ist ja so klein...“
„Wo ist denn das CD-ROM-Laufwerk???“
„Die Gaming-Leistung ist aber eher schwach, muss ich sagen!“
„Warum müssen die sich auch immer was neues Ausdenken...!“
Glücklicherweise ist der Besitz eines Notebooks bei uns keine Einstellungs-Voraussetzung. Hauptsache, man kennt sich aus und ist Neuerungen gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt.
Natürlich bemühte ich mich, meinen Sachverstand auch an meine Kunden weiterzugeben:
„Nein, auf den Asus EeePC müssen Sie nicht warten. Der wird eh total überschätzt. Das Ding hat ja noch nicht mal einen DVD-Brenner. Und Full-HD-Filme können Sie sich damit auch nicht anschauen.
Ich hätte da einen preiswerten 19-Zöller für Sie ...
Wie, was soll das heißen, Sie brauchen nur was kleines, um Unterwegs Notizen festzuhalten? Wie wäre es dann mit einem College-Block? ... Hallo, sind Sie noch dran, Hallo...?“
Auch die Mitbewerber von Asus ließen nicht lang auf sich warten. Neid und Missgunst mögen ja in der übrigen Geschäftswelt Gang und Gäbe sein, im Notebook-Markt aber gönnt man auch dem Wettbewerber den wohlverdienten Erfolg, und erkennt dessen Leistungen wohlgesinnt an.
Voller Respekt und in Würdigung der eingegangenen unternehmerischen Risiken sprangen die Konkurrenten also kurzerhand auf den selben Zug auf.
Natürlich war ich bemüht, dem Innovator den verdienten Erfolg zu bescheren:
„Also, wenn Sie noch ein bisschen warten, dann bekommen Sie den Soundso von der Firma Sowienoch. Der ist in allen Bereichen besser und auch schon in 1-2 Monaten lieferbar.
Wie, Sie können nicht warten...?
Also, wenn Sie vor 20 Jahren einen Trabbi bestellt hätten, dann hätten Sie auch warten müssen!
Hallo...? Hallo...? Nun legen Sie doch nicht gleich auf...!“
Das Resultat ist allen bekannt: Dank der gemeinsamen Anstrengungen von mir und meinen Kollegen gingen die Netbooks im Allgemeinen und der EeePC im Besonderen weg wie warme Semmeln.
Richtig gute Produkte müssen sich eben auch gegen schlechte Verkäufer durchsetzen können.