Vergangene Woche hat Intel auf seiner CES-Pressekonferenz
energieeffizientere Ivy-Bridge-Prozessoren vorgestellt. Bei der Ankündigung sorgte vor allem der niedrige Wert von 7 Watt für Aufsehen, mit dem der Hersteller den Strombedarf der neuen Chips beschrieb. Mittlerweile hat sich jedoch herausgestellt, dass Intel etwas trickst, um auf diese werbewirksamen 7 Watt zu kommen, wie Arstechnica informiert.
Intel spezifiziert seit Jahren all seine modernen Prozessoren mit einer sogenannten TDP (Thermal Design Power), die in Watt angegeben wird. Die TDP gibt die maximale Verlustleistung einer CPU bei einer festgelegten Temperatur-Obergrenze an, was den PC-Herstellern die Möglichkeit gibt ihre Geräte-Gehäuse und Kühlsysteme entsprechend anzupassen. Je geringer der TDP-Wert und damit die Abwärme, umso geringer ist im Umkehrschluss auch die Leistungsaufnahme und desto kleiner, flacher und kompakter können die Geräte sein, in denen eine bestimmte CPU zum Einsatz kommt.
Aktuelle Smartphone-SoCs weisen eine TDP von rund 2 Watt und Tablet-SoCs von rund 5 Watt auf. Intels bislang
energieeffizientesten Core-CPUs (sogenannte Ultra-Low-Voltage-Chips, kurz ULV) sind mit einer TDP von 17 Watt ausgezeichnet. Wohin die Reise für den Chipgiganten also geht ist klar: In den nächsten Jahren will Intel die Verlustleistung seiner Core-Familie soweit senken, dass auch die leistungsfähigsten unter ihnen für den boomenden Mobil-Sektor in Frage kommen, den im Augenblick Prozessoren auf Basis der ARM-Architektur dominieren. Für die
kommende Haswell-Generation verspricht das Unternehmen Low-Voltage-Chips, die maximal eine TDP von 10 Watt haben sollen.
Angesichts dieser Planungen überraschte es natürlich viele Experten, als Intel zur CES 2013 7-Watt-Ivy-Bridge-Exemplare ankündigte. Kurz nachdem die erste Begeisterung verflogen war, veröffentlichte der Hersteller aber die
exakten technischen Details der neuen Chips, was sofort ein interessantes Detail offenbarte: Die TPD der Prozessoren wird mit 10 beziehungsweise 13 Watt angegeben. Die 7 Watt, von denen Intel währen seiner Pressekonferenz sprach, beziffern hingegen ein komplett neu eingeführtes Bewertungskriterium, das vom Unternehmen als „Scenario Design Power“ (kurz: SDP) bezeichnet wird. Der SDP-Wert beschreibt, wie viel Leistung ein Prozessor durchschnittlich bei einer zuvor festgelegten Belastungsgrenze aufnimmt, sprich während eines Benchmark-Durchlaufs. Intel gibt aber leider nicht an, unter welchen exakten Bedingungen getestet wurde.
Intel Core-Prozessoren mit 10 bis 13 Watt TDP:
Intel Pentium 2129Y:
Basistakt 1,1 GHz, kein Turbo, TDP 10 Watt, SDP 7 Watt, 2 Kerne / 2 Threads, 2 MB L3-Cache, Intel HD Graphics
Intel Core i3-3229Y:
Basistakt 1,4 GHz, kein Turbo, TDP 13 Watt, SDP 7 Watt, 2 Kerne / 4 Threads, 3 MB L3-Cache, Intel HD Graphics 4000
Intel Core i5-3339Y:
Basistakt 1,5 GHz, Turbo bis 2 Gigahertz, TDP 13 Watt, SDP 7 Watt, 2 Kerne / 4 Threads, 3 MB L3-Cache, Intel HD Graphics 4000
Intel Core i5-3439Y:
Basistakt 1,5 GHz, Turbo bis 2,3 Gigahertz, TDP 13 Watt, SDP 7 Watt, 2 Kerne / 4 Threads, 3 MB L3-Cache, Intel HD Graphics 4000
Intel Core i7-3689Y:
Basistakt 1,5 GHz, Turbo bis 2,6 Gigahertz, TDP 13 Watt, SDP 7 Watt, 2 Kerne / 4 Threads, 4 MB L3-Cache, Intel HD Graphics 4000
Angaben zur SDP macht Intel nur bei den neu vorgestellten Ivy-Bridge-Prozessoren, die im Übrigen an einem „Y“ in ihrer Bezeichnung zu erkennen sind (Beispiel: Core i5-3439Y). Das bedeutet, ein Vergleich zu den bereits erhältlichen CPU-Modellen fällt in diesem Bereich schwer.
Was bedeuten nun diese Erkenntnisse für den Endverbraucher? Nun, zum einen hat sich Intel mit seinen zunächst verwirrenden Angaben sicherlich nicht mit Ruhm bekleckert. Zum anderen lässt sich festhalten, dass die neuen Core-Prozessoren der Y-Serie zwar stromsparender arbeiten dürften, als die bislang angebotenen Intel-CPUs, aber die Unterschiede wohl bei weitem nicht so deutlich ausfallen werden, als es zunächst den Anschein hatte.
Darüber hinaus ist nun anhand der Informationen von Arstechnica klar, Intel hat die Reduzierung der TDP um 4 bis maximal 7 Watt nicht durch irgendwelche besonderen Optimierungen der Ivy-Bridge-Architektur hinbekommen, sondern schlicht und einfach die Takt- beziehungsweise Turbo-Frequenzen nochmals reduziert, teils sogar erheblich. Das wird sich selbstredend durch reduzierte Performance im Vergleich zu höher getakteten Modellen bemerkbar machen.