Gestern Abend hat AMD seinen „Financial Analyst Day 2012“ abgehalten. Auf der Veranstaltung im kalifornischen Santa Clara für Finanzexperten, Anleger und Presse legte der Chiphersteller die Strategie für die nächsten Monate und Jahre vor. Der neue AMD-Chef Rory Read sprach dazu zusammen mit seinem Team erstmals öffentlich über die konkreten Pläne und welche Prioritäten das Unternehmen unter seiner Führung setzen werde.
Vielleicht wichtigste Veränderung in der Ausrichtung AMDs ist der klare Fokus auf die Umsetzung von ausgegebenen Zielen. Bisher war AMD dafür bekannt an den veröffentlichten „Roadmaps“ (Fahrplan für Produkteinführungen) nur lose festzuhalten. Die Strategie des Chipherstellers machte zwar auf dem Papier Sinn und zeugte von aggressiven Entwicklungszielen, doch es haperte an der Umsetzung. Jüngstes Beispiel: Der lange verzögerte Start der neuen CPU-Architektur „Bulldozer“. Derartige Probleme kosteten AMD immer wieder Marktanteile und behinderten ein gesundes Wachstum.
In den letzten Monaten begann also Read zusammen mit seinem Management-Team damit an diese Probleme heranzugehen und eine Strategie zu erarbeiten um die konkrete Projektumsetzung zu verbessern. AMD als Unternehmen ist bedeutend kleiner als der große Konkurrent Intel und ein direkter Wettstreit mit dem Chipgiganten im x86-Prozessor-Markt erschien schon immer als ungleicher Kampf, doch AMDs Stärke könnte dafür Flexibilität sein. Reads Strategie zielt also darauf ab das Unternehmen flexibler und effektiver zu machen, um Produkte termingerecht zur Marktreife zu bringen und außerdem innovative Lösungen zu schaffen, die andere technische Entwicklungen der Branche komplementieren. Damit soll Kundenvertrauen zurückgewonnen und neu aufgebaut werden. Ziel für AMD muss es laut Reads Aussagen sein, die tatsächlichen Unternehmensstärken auszuspielen und neue Märkte in Entwicklungsländern und China zu erschließen. Vorbei sollen die Zeiten sein in denen Kunden durch Probleme bei der Fertigung neuer Technologien vergrault wurden. Um sich neu aufzustellen und die gesteckten Ziele zu erreichen wird sich das Unternehmen verstärkt auf die Herstellung energie-effizienter Prozessoren konzentrieren. Damit sind Chips für
leichte und besonders flache Notebooks und auch Tablet-PCs gemeint. Vom Smartphone-Markt hält sich AMD aber auf absehbare Zeit fern, da hier die zu erwartenden Gewinn-Margen zu gering seien.
Aktuelle Angebote zu Notebooks mit AMD-Technik (03.02.2012):
Lenovo Z575 (amazon.de) -
552 Euro
Lenovo ThinkPad Edge E525 (cyberport.de) -
499 Euro
HP ProBook 4535s (computeruniverse.net) -
534 Euro
Im klassischen PC-Sektor lauten die großen Schlagworte APU (Accelerated Processing Unit) und Server-CPUs. AMD will noch mehr in die Verschmelzung von Grafikprozessoren und CPUs investieren und so schnelle und hochintegrierte Lösungen anbieten. In wenigen Monaten steht der Marktstart der neuen
Trinity-APU an, die gerade für den Einsatz in Notebooks sehr interessant sein dürfte. Im Jahr 2013 soll ein Großteil der Produktpalette auf die fortschrittliche Fertigung im 28-Nanometer-Prozess umgestellt sein. Die APU mit dem Codenamen „Kaveri“ soll dann beispielsweise neue, leistungsfähige x86-Kerne mit einem Grafikprozessor verbinden, der auf der Graphics-Core-Next-Technologie aktueller AMD-Highend-Grafikkarten (Radeon HD 7970/7950) basiert.
Im Server- und Desktop-Markt bleibt AMD auf absehbarer Zeit der Bulldozer-Architektur treu. Im Laufe des Jahres 2012 soll die zweite Generation der FX-Prozessoren mit dem Codenamen „Vishera“ erscheinen, die verbesserte sogenannte Piledriver-Kerne verwenden. Diese Piledriver-Kerne werden Einzug in die gesamte Prozessor-Linie von AMD erhalten und bis weit ins Jahr 2013 hinein und vielleicht sogar darüber hinaus AMDs Highend-Architektur darstellen. Es gibt außerdem keine Pläne neue CPU-Sockets einzuführen, sondern erklärtes Ziel ist es mit den bestehenden Plattformen den AMD-Marktanteil im Server-Segment zu steigern. Eines scheint in jedem Fall klar, die Zeiten des Prozessor-Wettstreits zwischen Intel und AMD um die schnellste CPU sind endgültig vorüber, AMD kann und will im Highend-CPU-Markt nicht mehr konkurrieren, sondern sieht seine Chance vielmehr in den darunterliegenden Marktsegmenten und Server-Lösungen für Cloud-Dienste.
Im Grafikprozessor-Bereich sieht die AMD-Roadmap ebenfalls Neuerungen vor. So sollen 2013 die aktuellen Southern-Island-Chips durch den Nachfolger mit dem Codenamen „Sea Island“ abgelöst werden. Sea Island stellt wieder eine ganz neue GPU-Architektur dar und wird Funktionen für den neuen Standard HSA (Heterogeneous System Architecture) mitbringen. HSA soll laut AMD das Fusion-Konzept ersetzen beziehungsweise weiter ausbauen. Im Detail bedeutet das, mittels des Standards lassen sich diverse Bauteile einer APU über festgelegte Schnittstellen miteinander verbinden. So wäre es beispielsweise theoretisch möglich einen AMD-Grafikprozessor zusammen mit ARM-Rechenkernen in ein Chippaket zu packen. Vorausgesetzt die ARM-Technologie ist kompatibel mit HSA. Um ein solches Szenario zu ermöglichen arbeitet AMD daran HSA zu einem offenen Standard zu machen. Außerdem soll der Standard auf Programmierseite dabei helfen die Rechenleistung von GPUs einfach und effizient für eine Vielzahl von Aufgaben einzusetzen.
Die Vorstellung von AMDs neuem Führungsteam konnte laut der Technik-Webseite Anandtech.com überzeugen und die vorgelegte Strategie vermittelte einen guten Eindruck davon wie das Unternehmen von nun an versuchen will flexibler und effizienter gesteckte Wegpunkte zu erreichen. AMD-Chef Read zeigte sich diversen Medienberichten zufolge motiviert und optimistisch. Nun ist es ganz am Unternehmen selbst die genannten Ziele umzusetzen und APUs, GPUs und CPUs wie versprochen auf den Markt zu bringen.