Zur Startseite
HomePraxis > Kommentar
PRAXIS Kommentar
Sind PC-Spiele dem Untergang geweiht?
von Johannes Schaller am So, 11.12.2011 15:46 Uhr


Ignorante Sichtweise der Spielehersteller
Einen neuen Seitenhieb auf die PC-Spielergemeinde und, ganz allgemein, den PC als Spiele-Plattform leisteten sich Mitarbeiter des Spielepublisher Ubisoft. Besonders bedenklich daran sind das Ausmaß an unreflektierten Unterstellungen und die Deutlichkeit mit der Entwickler und Publisher noch immer an der Wirklichkeit des PC-Spielemarktes vorbei agieren.

Konkret beziehen sich die streitbaren Aussagen auf zwei kommende Ubisoft-Spiele, den Download-only Titel „I am Alive“ und den Taktik-Shooter “Ghost Recon: Future Soldier”. Beide Spiele werden nach aktuellem Stand der Dinge im nächsten Jahr nur für die Konsolen Xbox 360 und Playstation 3 erscheinen. Von Future Soldier war zunächst eine PC-Version im Gespräch, was auch durch entsprechende Logos auf der Webseite des Spiels erkennbar war. Begründet sei dieser Schritt in beiden Fällen – informierte Leser werden es erahnen - durch das hohe Maß an Raubkopien in der PC-Spielebranche und, daraus resultierend, zu geringe potentielle Absatzzahlen einer PC-Version.

Die Äußerungen stammen aus zwei separaten Interviews mit je einem Entwickler der besagten Spieletitel, die die Webseiten pcgamer.com, sowie incgamers.com führten.


Hier nun sämtliche Argumente auszubreiten, die den Entwickler-Aussagen entgegenstehen, würde den Rahmen dieses Kommentars bei weitem Sprengen, doch da der technologische Fortschritt der PC-Industrie auch Hand in Hand mit den künstlerisch und technisch anspruchsvollen, aufwändigen gestalteten und optisch faszinierenden Welten der Spieleentwickler geht, lohnt es sich doch einen genaueren Blick auf dieses Thema zu werfen.

Was also unter die Lupe genommen werden soll ist diese einseitige und in weiten Teilen ignorante Sichtweise der Spielehersteller auf den PC-Spielemarkt. Der Entwickler von „I am Alive“, Stanislas Mettra, wurde etwa mit den Worten zitiert, PC-Spieler würden zwar großspurig rumnörgeln, wenn von einem Spiel keine PC-Version erscheine, letztlich würde allerdings „niemand“ aus der PC-Gemeinde bereit sein für das Spiel zu bezahlen. Etwa 50.000 verkaufte Einheiten eines Spiele-Titels für die PC-Plattform seien es schlicht und ergreifend nicht wert den Titel überhaupt für PC umzusetzen. Nachdem Herr Mettra auf diese Aussage hin zahlreiche Reaktionen von aufgebrachten PC-Spielern lesen durfte, versuchte er die Aussage zu relativieren und stellte eine PC-Version in Aussicht, falls der Publisher dies befürworte. Das allein verursacht schon energisches Kopfschütteln bei mir.

Der Entwickler Sébastien Arnoult aus dem Ghost-Recon-Team von Ubisoft geht zwar in seiner Stellungnahme einen ganz anderen Weg, der erscheint allerdings nicht minder fragwürdig. Die Entscheidung das Spiel „Ghost Recon: Future Soldier“ nicht auch für PC herauszubringen, beruhe auf Ubisofts Erkenntnissen der letzten Jahre, die aus Beobachtungen des Marktes gewonnen werden konnten. Man habe die PC-Spieler nun verstanden, wie Arnoult es formulierte.

Ubisoft versteht den PC-Spieler hier so: Ein PC-Spieler will kein technisch fortschrittliches, mit großem Budget entwickeltes, Hollywood-ähnliches Erlebnis mit toller Grafik und ausgereifter Story. Nein, der PC-Spieler bezahlt dafür nicht den vollen Preis. 95 Prozent der Spieler würden, laut Arnoult, solche Titel raubkopieren. Daher springt Ubisoft auf den vermeintlich heilsbringenden aktuellen Trend der PC-Multiplayer-Brache auf und liefert mit "Ghost Recon Online" den Spiele-Titel, der "speziell" für PC-Spieler gemacht ist. Ein Free-to-Play-Ableger der Ghost-Recon-Serie, welcher nur im Multiplayer-Modus gespielt werden kann und von dem sich Ubisoft gute Einnahmen über sogenannte Mikro-Transaktionen - etwa für Ausrüstungsgegenstände - aus der im Spiel integrierten Verkaufsplattform heraus erhofft.


Bild: pcgamer.com
Ghost Recon Online

Das ist also Ubisofts Geschenk an die Fangemeinde auf dem PC. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, liebe Leser, an Ghost Recon Online ist zunächst einmal gar nichts auszusetzen, doch woran es all diesen Aussagen und der Strategie dahinter gewaltig mangelt, das ist der Respekt für ehrlich zahlende Kunden und, was das Fass für mich zum Überlaufen bringt, die dreiste Unterstellung, alle PC-Spieler wären Multiplayer-Fanatiker und könnten nichts mit einer guten Geschichte in Spielen anfangen. Danke Ubisoft, Euer PC-Kopierschutz hätte mich schon fast bei der, für mich persönlich, großartigen Assassin’s-Creed-Reihe zur Verzweiflung gebracht, nun wird mir also meine Zähigkeit und Toleranz so vergütet indem Ihr mir Singleplayer-Kampagnen komplett verwehrt. Das nenne ich Verständnis.

Vielleicht sollte ich mich auch gar nicht darum scheren, da bisher nicht klar ist, ob der Solo-Part von "Ghost Recon: Future Soldier" es wert ist einen Streit vom Zaun zu brechen. - Nein, schließlich geht es mir hier ja, wie so oft, ums Prinzip und da kann ich die Augen nicht verschließen.


Auf der nächsten Seite: Es ist Zeit



 


Artikel-Bewertung
Noch keine Bewertung vorhanden
(Die Bewertung ist nur als registrierter Benutzer möglich)
Kommentare zum Artikel ( 0 Antworten )
Zur Diskussion im Forum


PRAXIS
Freitag, 06.04.2012
Donnerstag, 05.04.2012
Samstag, 10.03.2012
Montag, 06.02.2012
Samstag, 28.01.2012
Mittwoch, 11.01.2012
Freitag, 23.12.2011
Donnerstag, 15.12.2011
Sonntag, 11.12.2011
Mittwoch, 30.11.2011
Samstag, 26.11.2011
Montag, 14.11.2011
Montag, 31.10.2011
Samstag, 29.10.2011
Dienstag, 18.10.2011
Montag, 17.10.2011
Freitag, 14.10.2011
Sonntag, 21.08.2011
Freitag, 12.08.2011
Samstag, 30.07.2011
Freitag, 22.07.2011
Samstag, 16.07.2011
Donnerstag, 14.07.2011
Samstag, 09.07.2011
Seite 1 von 6: 
1
...