Ein Buch ist ein langweiliges Ding. Man kann damit weder fernsehen, noch im Internet surfen. Wenn man sich die heutigen E-Book-Reader anschaut, kann man den Eindruck bekommen, dass es hier anders sein/werden soll: WLAN und Funktionen, mit denen man im Internet Surfen kann, gehören inzwischen zu den Standard-Funktionen von Readern wie dem
Amazon-Kindle oder dem
Oyo. Auch wenn es Reader wie den Sony Reader PRS-650 möglicherweise schon in naher Zukunft nicht mehr geben wird, ist die Reduktion auf das Wesentliche für uns dennoch ein Grund, uns diesen Reader etwas genauer anzuschauen.
Der Sony Reader PRS-650 gehört zu den konservativeren Readern - und zu den teureren. Es gibt weder WLAN, noch einen Internet-Browser. Zwar besitzt der PRS-650 ein Touchscreen - doch nicht, um nur mit möglichst modern wirkenden Effekten zu glänzen, sondern damit man das machen kann, was man auch im Buch machen kann: Stellen anstreichen. Den Stift zieht man einfach aus dem Reader heraus.
Der Sony Reader PRS-650 (120 x 168 x 10 mm) ist etwa so groß wie ein dünnes Taschenbuch und wiegt 215 g. Das Gehäuse bleibt der Tradition hochwertiger Sony-Gehäuse treu – sei es im Laptop, im Walkman oder im Reader-Bereich: Sony-Gehäuse-Designs der oberen Ränge besitzen Wiedererkennungswert. Man bekommt für den nicht niedrigen Preis ein stabiles Metallgehäuse mit griffig gummierter Rückseite.
Da der Sony Reader nur die Formate EPub, PDF, txt, RTF, Word und BBeB unterstützt, können Bücher aus dem Amazon-Umfeld (Kindle, mobipocket) nicht gelesen werden. Für das EPub-Format gibt es jedoch nicht nur viele kommerzielle Bücher (es gibt sogar mehr deutschsprachige Bücher im EPub- als im Kindle-Format), sondern auch eine riesige Anzahl kostenloser Bücher: Z.B. Out-of-Copyright-Klassiker, die man sich von kostenlosen Archiven wie archive.org herunterladen kann. Die E-Books werden weder durch W-LAN, noch durch 3G auf den Reader überspielt, sondern per USB-Kabel mit Hilfe einer Reader Library Software, die es für Windows und Mac gibt. Mit dieser Software kann man nicht nur E-Books herunterladen und auf den Reader übertragen, sondern auch - wie der Name nahe legt - seine Bibliothek verwalten.
Zusätzliche Anwendungen – gibt es. Sie sind jedoch noch weit von dem entfernt, was ein modernes Tablet alles kann. Obwohl die technischen Möglichkeiten da wären, um aus diesem hochwertigen Reader mehr als nur einen Buch-Reader zu machen, weicht er dennoch nie zu sehr von einer Linie ab, die man "Reduktion auf das Wesentliche" nennen könnte. So gibt es z.B. einen Audioplayer, mit dem man sich Hörbücher anhören kann, eine Notizen-Funktion für Lektüre-Ideen, sowie natürlich Wörterbücher, die mit dem Text so verknüpft sind, dass man durch auf das Wort Tippen nachschlagen kann.
Im 1,4 GB verfügbaren Speichen lassen sich, laut Sony, bis zu 1.200 Bücher speichern. Durch Memory Stick Pro Duo lässt sich der Speicher um bis zu 32 GB erweitern, ebenso durch eine SD-Karte.
Beim Display handelt es sich um ein 6 Zoll Display in E-Papier-Technik (E Ink Pearl). Displays in
E-Papier-Technik schonen bei intensiver Lektüre den Leser mehr als herkömmliche Displays. Da sie weder leuchten noch flimmern, verhalten sie sich ähnlich wie echtes Papier. D.h. man kann sogar bei direkter Sonneneinstrahlung lesen. Unser Testgerät hat einen Leuchtwert von 0,04 cd/m². Zum Vergleich: Ein Monitor hat auf weißen Flächen meist einen Leuchtwert von über 100 cd/m². Laut Sony löst das Display mit 600 x 800 Pixel auf. Subjektiv empfinden wir das Schriftbild etwa vergleichbar mit dem des Amazon Kindles und etwas besser als das des Oyos. In sechs Größen kann die Schriftgröße angepasst werden.
Das Umblättern geht schneller voran als beim Oyo, es dauert etwa eine halbe Sekunde (aufgrund der E-Papiertechnik geht das Umblättern bei allen E-Papier-Readern etwas zäh voran).
Dank dem relativ schnell reagierenden Touchscreen kann man mit dem Stift in den Text zügig Notizen bzw. Anstreichungen einfügen, die man natürlich auch speichern kann. Die Notizen werden in einer Liste gesammelt und lassen sich von hier aus abrufen.
Die Akkulaufzeit beträgt nach Angaben von Sony über 10.000 Seitenwechsel. Der Akku ist besser als der unseres getesteten Oyos. Der Oyo gab unsere mp3-Test-Schlaufe in nicht einmal 5 Stunden auf, während der Sony Reader mit derselben Testschlaufe mehr als 7 Stunden durchhielt.
Fazit
Für Leser, deren Lesewünsche durch das große Angebot, das es im EPub-Format gibt, abgedeckt wird, lohnt es sich, einen Aufpreis z.B. zum Oyo zu investieren. Denn dafür bekommt man ein hochwertiges Gerät, das billigeren Readern überlegen ist. Da für die Reduktion auf das Wesentliche die Reader-Technik reif ist, lohnt es sich nicht unbedingt, auf „modernere“ Geräte (z.B. mit Funktion zum im Internet Surfen) zu warten bzw. zu moderneren Geräten zu greifen. Da es jedoch einige der kommerziellen Bücher, die – um subjektiv zu bleiben (Lektüre-Vorlieben sind immer subjektiv) – den Tester zur Zeit interessieren, nicht in den Formaten, die der Reader unterstützt, gibt, kann auch der Sony Reader PRS-650 – trotz seiner Perfektion - keine 1 bekommen.
Link:
Sony Reader PRS 650 bei Sony.de