Packard Bells jüngere Firmengeschichte ist durch allerlei Irrungen und Wirrungen gekennzeichnet. Seit 2009 gehört das Traditionsunternehmen nun zum Acer-Konzern und steuerte damit endlich in ruhigeres Fahrwasser. Seit der Übernahme geht es aufwärts: In Europa konnte man sich mit hauptsächlich im Budget-Bereich angesiedelten Note- und Netbooks bereits ordentliche Marktanteile sichern.
Mit dem Liberty Tab wagt Packard Bell sich nun erstmals ins tückische Tablet-Terrain. Da so ein Gerät nicht mal eben nebenbei entwickelt ist, griff man ins Regal der Konzernmutter. Genauer gesagt und wie bei unserem Hands-On bereits vermutet: Das Liberty Tab ist zum Acer-eigenen Iconia A500 (A für Android) praktisch baugleich. Mit rund 400 Euro Einstandspreis fällt es dabei noch nicht mal günstiger aus – dem Image des Billigablegers wird Packard Bell dadurch gerecht, dass zumindest vorläufig nur das Einstiegsmodell ohne UMTS und mit lediglich 16 GB Speicher erhältlich ist.
Einziger, aber immerhin deutlich sichtbarer Unterschied zwischen Liberty Tab und Iconia A500: Die Rückseite des Gehäuses erstrahlt jetzt in auffälligem Weinrot statt Silber. Außerdem wurden die Lautsprecherschlitze anders gestaltet. Ansonsten gilt natürlich das Meiste, was bereits in unserem
Test zum Acer-Tablet gesagt wurde, auch wenn wir dort ein 32-GB-Modell zur Verfügung hatten.
Somit kommt auch hier Googles Tablet-optimiertes „Honeycomb“-Android in der Version 3.0.1 zum Einsatz. Das ist zwar in dem Sinne alles andere als veraltet, doch woanders - etwa bei Samsung oder Asus – setzt man bereits auf das dezent weiterentwickelte 3.1. Auch Acer will demnächst auf 3.1 umsteigen, für das Liberty Pad sind noch keine derartigen Pläne bekannt. Auch beim OS verzichtet Packard Bell auf einen eigenen Weg: Abgesehen von der farblichen Umstellung des Desktops von Acer-Grün auf PB-Rot entspricht das UI dem Iconia.
Zu den Stärken des Liberty Tab zählt über weite Strecken sein Chassis. Das Gehäuse präsentiert sich stabil und robust, kann gleichzeitig aber mit einem attraktiven Design punkten. Es macht zudem einen wertigen Eindruck und ist gut verarbeitet. Erkauft wird dies allerdings mit einem hohen Gewicht: Als Anderthalbpfünder fällt es selbst für ein 10,1-Zoll-Tablet recht massig aus. Konzeptlos erscheint die Verteilung der Anschlüsse und Bedienelemente, die wild über alle vier Seiten des Gehäuses verteilt wurden und mal links und mal rechts, mal oben und mal unten sitzen. Die beiden USB-Anschlüsse (ein hosttauglicher Fullsize- und ein Mini-USB) sind unnötig eng zusammengepfercht. Auch das Liberty Pad plagen die vom Iconia bekannten Probleme bei der Erkennung mancher USB-Sticks.
Trotz der Baugleichheit ergab sich bei den Labortests der ein oder andere Unterschied. Am Auffälligsten ist die deutlich geringere Wärmeentwicklung an der Unterseite: Während das Iconia unter Last schnell auf über 40 Grad steigt und damit selbst im tiefsten Winter einen guten Handwärmer abgibt, bleibt das Liberty Tab bei angenehmen 30 Grad. Des Rätsels simple Lösung: Die rückseitige Schale des Liberty Tab hat nicht nur eine andere Farbe, sondern besteht auch „nur“ aus Kunststoff statt Aluminium wie beim Acer. Ob sich die offensichtlich geringere Wärmeabfuhr – sowohl Acer als auch Packard Bell verzichten zudem auf jegliche Lüftungsschlitze – eventuell nachteilig das Innenleben auswirkt, blieb zumindest während des Testzeitraums offen.
Immerhin um 10 cd/m² niedriger fiel bei den Messungen die durchschnittliche maximale Helligkeit des Liberty aus. Die ist schon beim Iconia mit 280 cd/m² nicht berauschend; mit den 270 cd/m² des Packard Bell meidet man besser sonnendurchflutet Orte. Zumal der Bildschirm „dank“ der dicken aufgesetzten Glasplatte selbst für ein Glare Display ziemlich stark spiegelt. Auch die Helligkeitsverteilung ist insgesamt unbefriedigend. Sie divergiert zwischen links oben (245 cd/m² und Mitte unten (302 cd/m²) um immerhin knapp 20 Prozent. Schließlich zementiert die übermäßig hohe Anfälligkeit des Multitouch-Screens gegenüber Fingertappser und Schmutzablagerungen den insgesamt mäßigen Eindruck des Displays – trotz hoher Kontrastwerte und einer guten Blickwinkelstabilität.
Für den Rest des Liberty Tabs gilt aber dann tatsächlich, dass es zum Iconia praktisch keine Unterschiede gibt. Die Hardware entspricht mit Nvidias Tegra-2-Plattform samt Cortex-A9-Dualcore den Honeycomb-Standards. Die Performance ist damit mehr als ausreichend; allerdings gibt es nach wie vor nicht allzu viele reine Android-3.x-Apps und –Spiele, mit denen man diese ausnützen könnte. Weniger gut schlägt sich das Tablet bei der Akkulaufzeit. Mehr als fünf Stunden hält es nur bei anspruchslosen Aufgaben und Anwendungen durch. Auch das Betriebssystem selbst entspricht wie erwähnt bis auf den andersfarbigen Hintergrund dem Iconia. Zu den Vorzügen zählen ein schneller Webbrowser sowie der gelungene Youtube-Client.
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