Das Thinkpad R52 ist ein leistungsstarkes Office-Notebook mit einer der besten Ausstattungen seiner Klasse. Gigabit-LAN, WLAN nach 802.11a/b/g, Bluetooth, Modem, Infrarot – der moderne Reisende wird in Sachen Kommunikation nichts vermissen. Eine 60 GByte große Festplatte und ein DVD-RAM-Brenner sorgen für massig Speicherplatz, einen Cardreader vermisst man dagegen.
Neben der hohen Rechenleistung gehören auch die durchdachten IBM-Tools und die guten Eingabegeräte zu seinen vorteilhaften
Lenovo/IBM Thinkpad R52: Das 3 Kilo schwere R52 ist ein zuverlässiger Begleiter.
Seiten. Nachteilig verbuchen wir hingegen das vergleichsweise laute Lüftergeräusch, den hohen Preis und das dunkle Display, das aber wiederum mit einer hohen Auflösung von 1400 x 1050 Pixeln Punkte gutmacht.
Für einen echten mobilen Einsatz eignet sich das Notebook mit einer Laufzeit von knapp 2:45 Stunden nicht unbedingt. Diese Akkulaufzeit reicht aber allemal aus, um die Zugfahrt zum Kunden problemlos zu überbrücken. Wer also ein robustes, zuverlässiges und potentes Notebook für die anspruchsvolle Arbeit im Büro sucht, wird in dem knapp 3 Kilogramm schweren Thinkpad R52 einen zuverlässigen Begleiter finden.
Unverkennbar: Ein IBM-Notebook
Im klassischen IBM-Design präsentiert sich auch der aktuellste Vertreter der Thinkpad-R-Serie im Test, das Thinkpad R52. Dass die IBM-Notebooks jetzt unter der Lenovo-Flagge vertrieben werden, merkt man dem von uns getesteten Thinkpad R52 nicht an. Wie auch: In den nächsten Jahren wird weiterhin ein IBM-Logo auf allen Notebooks prangen, die in den gleichen Fabriken und auf die gleiche Weise wie bisher produziert werden. Nur halt unter anderem
Lenovo/IBM Thinkpad R52: Die stabilen Scharniere sind typisch für IBM.
Namen, der sich in frühestens einem Jahr erstmal sauf den Geräten selbst finden wird. Wir hatten die für Großbritannien produzierte Version UN34CUK im Test (IBM UK listet das Gerät für 1.104,50 britische Pfund), die aber bis auf englischsprachige Tastatur und Betriebssystem baugleich mit der deutschen Version ist-
Wie von IBM gewohnt präsentiert sich das Thinkpad R52 komplett in schwarz und strahlt damit einen Hauch von Ernsthaftigkeit und Nüchternheit aus – ein Spiele-Notebook ist dies offensichtlich nicht. Auch die überaus stabilen Displayscharniere, die den Deckel fest in jeder gewünschten Position arretieren, sind aus kratzfestem, schwarz eloxiertem Metall gefertigt. Unter anderem diesen massiven Scharnieren verdanken IBM-Notebooks den Ruf der Robustheit, der ihnen vorauseilt – aber der nicht immer gerechtfertigt ist. Denn obwohl auch das Thinkpad R52 einen robusten Ersteindruck erzielt, ist es dennoch nicht so stabil, wie man meinen möchte. Der Displaydeckel lässt sich beispielsweise mit ziemlich geringem Kraftaufwand in sich verwinden und von der Rückseite her leicht eindrücken. Immerhin produzieren solche kleineren Gewaltakte keine wahrnehmbaren Funktionsstörungen auf dem Display, die Schutzfunktion des Deckels ist bei einem neuen Gerät also durchaus gegeben.
Auch der Unterbau, der alle wichtigen Komponenten enthält, ist nicht so robust, wie der optische Ersteindruck vermuten lässt. Fasst man das Notebook bei aufgeklapptem Display mit beiden Händen an der Vorderkante an und hebt es hoch, so biegt es sich minimal, aber wahrnehmbar zur Displayseite hin durch. Nicht viel wie gesagt, aber immerhin doch so viel, dass man es spürt. Stellt man es wieder ab und drückt mit den Fingerkuppen fest auf den Rahmen des Unterbaus, kann man ihn vor allem im Bereich über dem optischen Laufwerk deutlich eindrücken. Direkt an der Kante sind so Bewegungen von circa zwei Millimetern möglich. Auch wenn man die Vorderkante mit dem Daumen nach oben drückt und die zentraleren Bereiche der Handballenauflage des Notebooks mit
...in funktioneller Form auf den arbeitenden Anwender zugeschnitten.
den restlichen Fingern auf dem Tisch fixiert, hat man ein ebenfalls rund 2 bis 3 Millimeter großen Spiel. Hier sollte IBM nachbessern und dermaßen deutlichen Stabilitätsschwächen mit zusätzlichen Verstärkungen begegnen.
Die Materialgeräusche halten sich dennoch im Rahmen. Man muss die Hände schon mit Druck auf das Gerät legen, damit man Materialgeräusche produzieren kann. Vorhanden sind sie aber auf jeden Fall. Vor allem bei harten Tests wie den unseren gibt es auf jeden Fall eine Reaktion. Lediglich die Displayscharniere funktionieren ohne jede akustische Rückmeldung. Sobald man den Deckel selbst aber mit wechselnden Kräften belastet, produziert er deutlich Knarrgeräusche. Das Faszinierende daran: Das Display scheint recht locker in den Deckel eingepasst zu sein, denn bei Verwindungen des Deckels verschiebt sich das Panel munter im Rahmen. Zwar nur etwa einen knappen Millimeter, aber doch deutlich wahrnehmbar, wenn man darauf achtet.
Die Materialanmutung überzeugt für ein derart teures Arbeitsgerät nicht wirklich. Denn bis auf die Displayscharniere ist das Chassis komplett aus Plastik gefertigt, was man von der Oberflächenbeschaffenheit her auch deutlich merkt. Wies das ebenfalls von uns getestete Lenovo/IBM Thinkpad X41 eine fast schon samtige, gummiartige Oberflächenstruktur auf, so ist das innerhalb der IBM-Baureihen als Office-Notebook eingestufte R52 haptisch deutlich weniger angenehm. Das leicht raue, der Haifischhaut nachempfundene Plastik ist zweifelsohne funktionell – aber eben auch emotionslos und kühl.
Funktionelle Eingabegeräte für Vielschreiber
Bei den Eingabegeräten sieht es schon besser aus. Nicht umsonst hat IBM den Ruf, in Sachen Tastatur und Touchpad Referenzniveau zu haben. Die R52-Eingabegeräte sind zwar nicht das Beste, was wir bisher aus IBM-Produktion unter den Fingern hatten, stellen aber dennoch viele Konkurrenzmodelle
Lenovo/IBM Thinkpad R52: Die Tastatur gibt ein gutes Feedback - prima.
problemlos in den Schatten. Die Tastatur bietet einen klar definierten Druckpunkt und hat einen Hub von etwa 2 Millimetern. Die Tasten wackeln nicht, sondern sind fest auf der Unterkonstruktion befestigt. Sie lässt sich in der linken Hälfte praktisch nicht eindrücken, hier muss schon ein ausgesprochen starker Fingerdruck aufgewendet werden, um ein minimales und lokal eng begrenztes Durchbiegen zu provozieren. Im rechten Bereich, über dem optischen Laufwerk, sieht es dagegen etwas anders aus. Hier kann man schon mit moderatem Druck eine deutliche Reaktion hervorrufen. Kombiniert man das mit dem Eindruckt der leichten Instabilität, den das Chassis in Höhe des Laufwerks aufweist, sollte IBM hier wirklich zusätzliche Versteifungen anbringen.
Das Schreibgefühl ist trotz der links neben der Strg- angeordneten Fn-Taste insgesamt sehr gut, die Rückmeldung passt einfach und anfängliche Tippfehler sollten nach einer vergleichsweise kurzen Eingewöhnungszeit der Vergangenheit
Lenovo/IBM Thinkpad R52: Das Touchpad des R52 verdient den Status "Referenz".
angehören. Das Geräusch der Tasten ist zwar etwas laut, stört aber nicht wirklich: Kein billig wirkendes Klappern, sondern satte, halt etwas lautere Tastenlaute charakterisieren den akustischen Eindruck.
Das Touchpad reagiert in der Standardeinstellung ausgesprochen präzise auch auf leichte Berührungen, der Mauszeiger lässt sich unterbrechungsfrei und exakt mittels der leicht angerauten Padfläche problemlos dirigieren. Die Touchpad-Tasten sind dagegen nicht das Beste, was IBM zu bieten hat. Denn sie reagieren zwar ohne großen Kraftaufwand auf die Fingerbefehle, scheinen aber recht lose auf ihrem Unterbau befestigt zu sein, was ein etwas schwimmendes Gefühl hinterlässt.
Der zusätzlich in der Mitte der Tastatur angebrachte TrackStick bietet eine weitere Eingabemöglichkeit für all die, deren Mauszeiger schnell weite Strecken zurücklegen muss. Während sich das fein dosierbare Touchpad eher für die Feinarbeiten eignet, ist der Mini-Joystick für schnelle,
Lenovo/IBM Thinkpad R52: Der TrackStick erlaubt schnelle, weite Bewegungen.
weite Bewegungen ideal geeignet. Drei zusätzliche, über dem Touchpad angebrachte Tasten sind extra für die Bedienung des Sticks zuständig. Die rot markierten Tasten links und rechts erfüllen die Funktionen von linker und rechter Maustaste. Die mittig gelegene blaue Taste aktiviert dagegen eine vertikale und horizontale Scroll-Funktion, wenn sie gedrückt gehalten und der Stick dazu nach oben, unten, links oder rechts bewegt wird.
Die Eingabegeräte werden von einigen wenigen Zusatztasten abgerundet, die sich über der Tastatur in Displaynähe befinden. Hier finden sich zum einen drei Tasten für die Lautstärkeregelung der Lautsprecher, welche die Funktionen lauter, leiser und Stummschaltung umsetzen. Die vierte Taste ist die Access IBM-Taste, die den Zugriff auf das globale Hilfesystem IBMs ermöglicht. Hier können bequem und von Assistenten geführt Geräteeinstellungen vorgenommen, Treiber upgegradet, Hilfe abgefragt oder das komplette Notebook per HDD-Recovery in den Originalzustand zurückversetzt werden.
Satte Leistung für Office-Jobs
Das Thinkpad R52 bringt genügend Leistung mit, um alle für Bürojobs typischen Anwendungen problemlos nutzen zu können. Auf Intels Alviso-Chipsatz i915PM pulsiert ein Pentium M 750 mit 1,86 GHz. Dieser Dothan-Prozessor bringt 2 MByte Cache mit und harmoniert hervorragend mit dem 533 MHz schnellen DDR2-Arbeitsspeicher. Der Speicherausbau ist mit einer Größe von 512 MByte für handelsübliche Büroanwendungen absolut ausreichend dimensioniert. Ein Upgrade auf 1024 MByte würde die Souveränität des Arbeitens verbessern und etwas mehr Leistung bringen, ist aber nicht zwingend notwendig. Wer dagegen keine Standard-Applikationen einsetzt sondern anspruchsvolle Desktop-Software wie Render-, Animations-, DTP- oder CAD-Programme nutzt, sollte den Weg der Aufrüstung dagegen auf jeden Fall gehen. Dieser User-Gruppe macht es
Lenovo/IBM Thinkpad R52: HDD und Brenner befinden sich auf der selben Seite.
IBM wiederum leicht, da die 512 MByte RAM auf einem einzelnen Riegel konzentriert sind und somit der zweite Steckplatz für spätere Upgrades frei bleibt. Dadurch würde dann auch der Dual-Channel-Modus aktiviert werden, der die Performance noch einmal etwas erhöht.
Grafikseitig überzeugt das Notebook mit einem Mobility-Radeon-X300-Grafikchip von ATi, der für ein reines Office-Notebook fast schon überdimensioniert ist. Der X300 hat genügend Leistung, um auch in anspruchsvollen Multimedia-Anwendungen keine Schwächen zu zeigen. Office-Software stellt erst recht kein Problem für die Kombination aus schnellem Pentium M 750 und dem X300 dar. Selbst moderne Computerspiele meistert das R52 in durchaus akzeptabler Art und Weise. Modernste 3D-Kracher sollte man mit diesem Notebook natürlich nicht ins Auge fassen, dafür ist es auch nicht konzipiert. Aber Strategiespiele wie Warhammer 40K: Dawn of War oder Rome: Total War lassen sich mit absolut befriedigenden Bildwiederholraten spielen. Auch ältere Shooter stellen kein Problem dar, im Zweifel muss man einfach etwas mit der gewählten Auflösung und den Detaileinstellungen spielen, bis man ein akzeptables Ergebnis erzielt.
Überhitzung ist ein Fremdwort für das Thinkpad R52. Touchpad, Handballenauflage und Tastatur bleiben auch bei starker Beanspruchung angenehm kühl. Da aber auch IBM keine Wunder wirken kann, ist dies auf die intelligente und angemessen starke Lüftung des R52 zurückzuführen. Der Lüfter läuft ständig und in ruhigen Umgebungen deutlich vernehmbar mit und dreht manchmal auch schon bei leichten leichter Last voll auf. Das kann störend wirken, denn mit voll tourendem
Lenovo/IBM Thinkpad R52: Eine der beiden RAM-Slots ist noch nicht belegt.
Lüfter ist das Betriebsgeräusch nicht von schlechten Eltern. Die Lautstärke selbst ist aber nicht so problematisch wie das Lüfterverhalten. Denn der Lüfter schaltet nicht einfach in eine etwas höhere Drehzahl und läuft, sondern dreht kurzzeitig voll auf und schaltet dann wieder herunter. Diese Lastwechsel sind in unserer Wahrnehmung störender, als es ein konstant schneller laufender Lüfter wäre.
Auch die Akkulaufzeit ist nicht gerade ein Highlight des Thinkpad R52: IBM gibt zwar 3,6 Stunden für das Notebook an, aber abseits der Steckdose ist bei Nutzung von Office-Applikationen nach rund 2 Stunden und 40 Minuten Schluss. Das ist nicht herausragend viel, bewegt sich für ein Gerät dieser Leistungsklasse aber im Klassendurchschnitt. Wer die Stromsparoptionen voll ausschöpft, das Display herunterregelt und obendrauf noch Tools wie Centrino Hardware Control einsetzt, sollte die Akkulaufzeit noch signifikant steigern können.
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