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TEST Motion Computing LE1600
Paradepferd der Slate-Tablets
von Stefen Niemeyer am Do, 09.03.2006



Unser Fazit

Bild: Notebookjournal.de/RT
Motion Computing LE1600: Flache "Schiefertafel" für echtes mobiles Arbeiten.
Während der von uns getestete Toshiba Tecra M4 noch ein Tablet-PC mit fest verbundener Tastatur ("Convertible") war, so muss sich mit dem LE1600 von Motion Computing jetzt eines der Paradepferde der Slate-Geräte im Testbetrieb bewähren. Slates ("Schiefertafeln") sind Tablet-PCs ohne eingebaute Tastatur, die Eingabe erfolgt vorrangig mit einem aktiven Digitizer-Stift von Wacom direkt auf dem Display.

Der LE1600 ist ein mit 1,43 Kilogramm recht leichter Rechner in einem edel anmutenden dunkel-metallic Gehäuse, das aus

Bild: Notebookjournal.de/RT
Motion Computing LE1600: Schlankes Gerät auf flacher Reisetastatur.
einer Kohlenstoff-Fasermischung mit Magnesiumlegierung besteht. Das Chassis beherbergt ein leider nicht gerade helles aber mit einem Rundum-Blickwinkel von 180 Grad ausgestattetes 12,1-Zoll-Display, das eine interne XGA-Auflösung von 1024 x 768 Pixel bietet. Der 1,5 GHz schnelle Intel-Prozessor Pentium M 758 LV liefert die nötige Performance für den anspruchsvollen Office-Betrieb und hat genügend Kraft für nicht allzu fordernde Multimedia-Anwendungen. Von den 512 MByte Arbeitsspeicher zwackt sich die integrierte Intel-GMA900-Grafik bis zu 128 MByte ab. Für Spiele in echter 3D-Grafik ist sie natürlich nicht geeignet.


Bild: Notebookjournal.de/RT
Motion Computing LE1600: Sieht aus wie ein Display, ist ein vollwertiger PC.
Aufgrund des hohen Preises ab etwa 2.000 Euro in der spartanischen Basis-Variante und etwa 2500 Euro in der hier getesteten Ausstattung richtet sich das LE1600 vorrangig an professionelle Anwender, also beispielsweise an Außendienstler, die bei Ihren Kunden viele Formulare direkt auf dem Bildschirm ausfüllen, Journalisten, die in Pressekonferenzen und Interviews mitschreiben oder an Ärzte im medizinischen Betrieb mit elektronischer Patientenakte – und an IT-Enthusiasten, die nicht allzu genau auf den Euro schauen müssen.

Schreibstift mit Radiergummi
Der amerikanische Tablet-PC-Hersteller Motion Computing wurde 2001 von ehemaligen Dell-Mitarbeitern gegründet, die von Anfang an von der Tablet-PC-Plattform überzeugt waren, sich aber auf reine Slates konzentrierten. Mittlerweile hat sich die Firma in diesem Markt einen hervorragenden Ruf erarbeitet.


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Motion Computing LE1600: Der schwarze Wulst ist der Standard-Akku.
Trotz aller noch folgenden Kritikpunkte macht die tägliche Arbeit mit dem aktuellen Topmodell LE1600 viel Spaß. Das Gerät liegt gut in der Hand, ist 1,43 Kilogramm leicht, schnell und hat im Test über Wochen zuverlässig funktioniert. Der mitgelieferte aktive Stift macht einen hochwertigen Eindruck. Er ist dick wie ein guter Füller, zur Spitze hin gummiert und mit einer Taste versehen, die als rechte Maustaste dient. Beim Schreiben und Malen vermittelt er ein realistisches Gefühl. Der schwarze Stift ist auch schwerer als die recht billig wirkende graue Ausgabe vom Vorgänger-Modell M1400. Auch unterstützt er jetzt die Radiergummi-Funktion: Dabei dreht der Benutzer das Ende des Stiftes auf die Bildschirmoberfläche und kann Text oder Zeichnungen löschen – wie mit einem Tintenkiller, nur rückstandslos. Ob man das mitgelieferte Befestigungsbändchen nutzt, um den Stift an das Gehäuse zu binden, muss man selbst ausprobieren, da es beim Schreiben auf dem Bildschirm schon mal in die Quere kommt.


Bild: Notebookjournal.de/RT
Motion Computing LE1600: Stiftparkplatz. Das "Radiergummi" guckt heraus.
Ein Tablet PC mit Windows XP Tablet PC Edition verhält sich generell wie ein normales Windows XP Professional, nur eben um die Stifteingabe erweitert. Die Handschrifterkennung funktioniert bereits unter Windows XP recht gut.

Auch die Zukunftsaussichten sind bestens. Wer am Ende dieses Jahres auf Windows Vista umsteigen möchte, wird das voraussichtlich leicht tun können. Auf optische Schmankerl wie die Milchglaseffekte von Programmfenstern (Aero Glass) wird man verzichten müssen, aber die sind für die produktive Arbeit sowieso weniger wichtig. Die aktuelle Beta-Version des XP-Nachfolgers funktionierte im Test im Wesentlichen problemlos. So sind die Treiber für die Stiftbedienung bereits enthalten und die Handschrifterkennung des Betriebssystems hat sich offenkundig nochmals deutlich verbessert.

Gute Performance bei starker Akkulaufzeit
Motion Computing bietet den LE1600 in mehreren Prozessor-Varianten an. Die preiswerteste Version mit dem grundsätzlich wenig empfehlenswerten

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Motion Computing LE1600: Rechtes Blech: Festplatte, links RAM-Speicherbank.
Intel-Celeron-M-Prozessor ist ab etwa 1.800 Euro erhältlich. Der Celeron M ist aber aus zwei Gründen nicht zu empfehlen: Zum einen wegen der doch ziemlich niedrigen Performance und zum anderen wegen des Fehlens jeglicher Stromspar-Optionen. Der Celeron M verbraucht zwar generell nicht viel Strom, kann seinen Energiehunger in ruhigen Phasen aber auch nicht weiter reduzieren. Der Pentium M unseres Testgerätes ist dank Enhanced Intel SpeedStep dazu völlig problemlos in der Lage. Und der 1,5-GHz-Prozessor macht vor allen in fordernderen Multimedia-Anwendungen für einen Slate-Tablet-PC eine recht gute Figur. Klassische Office-Jobs erledigt er wie praktisch jedes andere Gerät mit links.

Ein Tablet-PC wäre sinnfrei konzipiert, wenn sich das Gehäuse im laufenden Betrieb so stark aufheizt, dass man es nicht mehr in der Hand oder im Arm halten kann. Hier hat Motion im Vergleich zum Vorgängermodell M1400 nachgebessert, dessen Wärmeentwicklung mitunter recht stark war. Zwar wird auch der LE1600 im längeren Betrieb deutlich spürbar warm, aber nicht mehr so unangenehm wie zuvor. Abhilfe schafft der Lüfter, der zudem sehr selten anspringt und nicht störend laut ist.


Bild: Notebookjournal.de/RT
Motion Computing LE1600: Standard-Akku mit 2400 mAh
Für die RAM-Erweiterung steht lediglich ein freier Slot zur Verfügung, da die 512 MByte DDR2-533-RAM fest eingebaut sind. Somit ist der Maximalausbau auf 1,5 GByte beschränkt. Im Celeron-Modell sind es wegen fest eingebauter 256 MByte RAM nur maximale 1,25 GByte. Von diesen Kapazitäten kann sich die im Chipsatz integrierte Grafikkarte Intel GMA900 bis zu 128 MByte reservieren.

Die Intel Graphics Media Accelerator 900 (GMA900) ist für den Office-Betrieb gut geeignet und bringt es im 3DMark 2003 auf respektable 823 Punkte. Das ist zwar zu wenig, um "echte" 3D-Spiele in Angriff nehmen zu können, aber 3D-Performance gehört auch nicht zu den Haupteinsatzbereichen des Gerätes. Für Office-Programme, handschriftliche Notizen, DVD-Wiedergabe oder Beamer-Präsentationen reicht die Grafik allemal aus.


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Motion Computing LE1600: Aufgeflanschter Zusatz-Akku - alles bleibt flach.
Der Lithium-Ionen Standard-Akku (2400 mAh) hält im Test je nach Belastung gute 171 Minuten Stunden durch. Ein bei unserem Testgerät im Lieferumfang befindlicher und nur 6,5 mm flacher optionaler Zusatzakku kann in Sekundenschnelle an der Rückseite des Gerätes angebracht werden und deckt einen Großteil von ihr nahezu vollständig ab. Optisch ist der Lithium-Polymer-Zusatzakku (2600 mAh, ca. 200 Euro) so fast unsichtbar, bedeutet aber 433 Gramm Mehrgewicht. Dieser Zusatz-Akku war bei Anlieferung vollständig leer und ließ sich zunächst nicht aufladen. Erst ein BIOS-Update behob den Fehler. Die Gesamtlaufzeit steigert sich mit dem Zusatz-Akku um etwa 3,5 Stunden auf über sechs Stunden. Das reicht für einen Arbeitstag, wenn man Standby-Phasen einrichten und kurzen

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Motion Computing LE1600: LEDs zeigen auf Knopfdruck den Ladestand an.
Auflade-Gelegenheiten nutzen kann. Schick und praktisch sind die fünf blauen LEDs, die auf Knopfdruck für ein paar Sekunden den Ladestand anzeigen. Das Entsichern und Abdocken des Zusatz-Akkus zeigt sich beim ersten Mal als etwas hakelig, flutscht aber nach kürzester Zeit wie geschmiert.

Und Motion Computing hat noch ein tolles Feature eingebaut: Wenn man das LE1600 ohne Stromzufuhr in den Standby-Modus versetzt, verbleiben nach Entnahme der Akkus 20-30 Sekunden Zeit für das Anschließen eines neuen Akkus – anschließend fährt der Rechner ohne Datenverlust wieder hoch.

Technische Details - Einmal Streicheln für die Anmeldung
Das Display bietet einen Blickwinkel von nahezu 180 Grad und ist mit einer in unserer 9-Zonen-Leuchtdichtemessung ermittelten Abweichung von knapp 46 Prozent (obere rechte Ecke zur unteren Mitte) ausgesprochen ungleichmäßig ausgeleuchtet. Mit einer durchschnittlichen Helligkeit von nur 87,1 cd/m² im Netz- und nur geringfügig niedrigeren 86,7 cd/m² im Akkubetrieb ist es zudem für den Einsatz im Freien ausgesprochen ungeeignet. Für Arbeiten in geschlossenen Räumen, für Indoor-Präsentationen oder für das gemeinsame Betrachten von Dokumenten taugt es aber durchaus.


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Motion Computing LE1600: Anschlussvielfalt auf der linken Seite.
Mit der von Motion Computing selbst entwickelten, patentierten und rund 300 Euro Aufpreis teuren View Anywhere-Technologie soll sich auch bei hellem Sonnenlicht gut arbeiten lassen. Beim Vorgänger-Modell M1400 funktioniert dies tadellos, aber unser Testgerät verfügte nicht über diese Technologie. Immerhin sorgt ein separater Sensor für die automatische Helligkeitsanpassung des Displays an das Umgebungslicht. Man kann das Display per Software aber auch mit fixen Helligkeitswerten einstellen.

Auf den ersten Blick erfreulich: Das LE1600 besitzt nicht nur einen analogen VGA-, sondern zusätzlich einen digitalen Ausgang. Daran lässt sich ein digitaler DVI-D- oder DVI-I-Monitor anschließen. Aber auf den zweiten Blick weniger erfreulich: Das geht nur mit einem separaten Adapterkabel von Motion Computing - wofür der Hersteller etwa 50 Euro zusätzlich verlangt.

Die langsam drehende 4.200er Toshiba-Platte (IDE, 30-GByte-Modell MK3006GAL) ist im Innern gut geschützt, sie liegt in einem Gummiring, der die gesamten Seitenwände der 1,8 Zoll-Festplatte umfasst. Die Auswahl an Festplatten ist beschränkt, es sind nur die Varianten 30 und 60 GByte verfügbar. In Zeiten schneller externer Festplatten ist das

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Motion Computing LE1600: WLAN-Schalter (klein) und Strom-Schiebeschalter.
aber nicht von besonderem Gewicht. Ein internes optisches Laufwerk ist ebenfalls nicht vorhanden, hier muss eine externe Variante beispielsweise für die Wiederherstellung des Systems mit der mitgelieferten Setup-CDs optional beschafft werden.

Für schnelle Außenverbindungen sorgen der Gigabit-LAN-Chip Realtek RTL8169 sowie die Wireless-Karte 2200BG von Intel. Der TPM-1.1-Chip (Trusted Platform Module) von Infineon ist standardmäßig deaktiviert. Erfreulich ist, dass bereits Bluetooth nach Standard 2.0 eingebaut ist. Das bedeutet hohe Reichweite und geringen Stromverbrauch.

Zu den Highlights gehören die drei um das Display herum platzierten Sigmatel-C-Media-Mikrofone. Zusammen mit der Knowles Acoustics-Software sind sie nach ein paar Trainingseinheiten in der Lage, die Umgebungsgeräusche nahezu komplett herauszufiltern. So ist für das Telefonieren, beispielsweise via Voice over IP (VoIP), kein zusätzliches Headset mehr erforderlich.

Den Verzicht auf serielle und Parallel-Port-Anschlüsse hat Microsoft in den Spezifikationen von Windows XP Tablet PC

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Motion Computing LE1600: SD-Kartenslot für SmartCard-Login und Speicherkarten.
Edition vorgeschrieben. Aber eine Beschränkung auf nur zwei USB-2.0-Anschlüsse wie beim LE1600 gehört nicht dazu, so dass schnell ein USB-Hub her muss. Ärgerlich für Altkunden ist zudem das Weglassen eines Firewire-Anschlusses. Denn für den Vorgänger M1400 hatte Motion Computing noch ein Firewire-DVD-Laufwerk angeboten, das im Falle des Umstiegs auf das aktuelle Modell nutzlos wird. Ebenfalls unverständlich ist, dass ein integriertes analoges Modem fehlt. Zwar bietet sich ein PC-Card-Schacht für den Nutzung einer UMTS- oder ISDN-Karte an, aber beides ist nicht überall verfügbar – analoge Modems hingegen schon. Praktisch ist hingegen der Speicherkarten-Slot, auch wenn er auf das eine Format Secure Digital beschränkt ist.

Nicht ganz gelungen sind die Knöpfe am rechten Gehäuse-Rand. Ihre Einkerbungen geben dem Stift nicht genügend Halt, um ein sicheres Drücken zu gewährleisten. Die Vier-Wege-Wippe zum Scrollen ist etwas schwergängig, der Mittelknopf hingegen kippelig.

Der Login per Daumen mag an einem Computer ohne Tastatur nicht die sicherste, aber doch bequemste Anmeldemethode sein. Motion Computing setzt beim LE1600 den gleichen Fingerabdrucksensor ein wie Fujitsu Siemens im Lifebook P1510, den Authentec AES 2501. Er ist auch hier in Form eines schmalen Streifens in den linken Rand in das Gehäuse integriert, allerdings am oberen Ende. Daher gilt hier wie beim FSC P1510: Man muss mit seinem Finger ruhig und langsam über den Sensor streichen. Bei Ungeübten anfangs häufig vorkommende Lesefehler treten nach kurzer Eingewöhnung nur noch sehr selten auf.


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Motion Computing LE1600: Das nackte Tablet.
Der Fingerprint-Sensor des LE1600 wird von der Omnipass-Software des texanischen Herstellers Softex gesteuert. Sie bietet zusätzlich eine Datei- und Ordnerverschlüsselung. Vor der Konfiguration empfiehlt sich eine Aktualisierung auf das neueste Update der 3er-Version, die Motion kostenlos auf der amerikanischen Homepage bereitstellt. Es schützt unter anderem vor Datenverlust und hat eine stärker an Windows XP angelehnte Oberfläche. Vorbildlich: Motion stellt diese Updates auch für das ältere Modell M1400 kostenlos zur Verfügung.

Insgesamt ist das LE1600 ein mobiler Begleiter, mit dem das Arbeiten Spaß macht. Die ganze Freude kommt aber erst im Vollausbau mit View Anywhere-Display, großer Festplatte, Zusatz-Akku, und der Tastatur auf, so dass man sich beim Gesamtpreis schnell der 3000 Euro-Grenze nähert.




 


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Kategorie:
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Testergebnis
Tablets & Convertibles
Motion Computing LE1600
gut
Test vom 22.06.2006



PRO KONTRA

ordentliche Leistungswerte
geringes Gewicht
Fingerabdrucksensor
hochwertiger, drucksensitiver Digitizer-Stift von Wacom
innovative Mikrofontechnik
Umgebungslichtsensor
Akku-Wechsel im Standby-Modus ohne Datenverlust
Infrarotschnittstelle
hochwertige Verarbeitung
angenehme Haptik
sonnenlichttaugliches Display (nur optional)
umfangreiches Profi-Zubehör (Ladestation, Docking-Station, Bumpcase)
hoher Preis
kein Firewire
kein internes analoges Modem
sehr hohe Kosten für Zubehör
kein integriertes Laufwerk
kein Display-Schutz mitgeliefert
leuchtschwaches Display



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