Fujitsu bietet nach eigener Aussage seit 20 Jahren Tablet-Computer an. Mit dem Stylistic Q550 versucht man nun am derzeit boomenden Tablet-Markt ein Stück abzugreifen. Vor allem die
Business-Kunden stehen im Fokus. Und dass im Geschäftsleben Funktionalität über Design geht, scheint sich Fujitsu auf die Fahnen geschrieben zu haben. Die Grau-Besche Rückseite erscheint so, als sei sie schon beim ersten Fujitsu Tablet zum Einsatz gekommen. Sicherlich ist es von Vorteil, dass vorrangig matte Oberflächen verwendet werden, die zudem noch leicht gummiert sind und ein Rutschen aus den Fingern zu verhindern wissen - doch etwas lebendigere Farben würden das 10-Zoll Tablet nicht so blass aussehen lassen. Das Plastik trübt den Eindruck weiterhin. Gelinde gesagt, ein
Apple iPad oder ein
Blackberry Playbook suggerieren mehr Qualität.
Dafür glänzt das Fujitsu Stylistic mit seinem
entspiegelten Display. Die Blickwinkel sind groß genug für mehrere Personen. Invertierungen sind kaum zu beobachten. Einzig die Helligkeit nimmt etwas ab. Das Display misst in der Diagonalen 10,1 Zoll und soll laut Fujitsu bis zu 400 cd/m² hell leuchten. Im Rahmen der Präsentation war es nicht möglich, dies zu überprüfen. Ein Einsatz mit direkter Sonneneinstrahlung könnte damit möglich sein – so der Eindruck.
Ein Novum ist die
vielseitige Eingabemöglichkeit. Die meisten Tablets bieten nur die Eingabe per Finger auf dem Touchscreen. Das Fujitsu Stylistic Q550 erkennt auch den mitgelieferten Eingabestift, für den es jedoch keine Garage am Gerät gibt. Es besteht einzig die Möglichkeit den Stift per Schnur mit dem Tablet zu verbinden. Die vorinstallierte Software „Windows Journal“ kann die Handschrift in Computerschrift umwandeln. Wer lieber per handelsüblicher Tastatur die Eingaben vornimmt, schließt diese an dem USB-Port an oder drahtlos per Bluetooth 3.0.
Für etwa 25 Euro soll die Docking-Station „Cradle“ erworben werden können, die über 4 USB-Steckplätze verfügt und die Anschlussmöglichkeiten stark erweitert. Mit dem Betriebssystem
Windows 7 Professional sind kaum Grenzen gesetzt. Tablets mit Android oder iOS haben hier das Nachsehen. Die Docking-Station mutet sehr billig an. Vollkommen aus Plastik bestehend, bietet das Leichtgewicht dem knapp 800 Gramm schweren Stylistic nur einen wackeligen Halt. Dennoch ist der Preis angemessen.
Jedes Fujitsu Stylistic hat W-LAN und Bluetooth integriert, UMTS gibt es optional. Ein HDMI-Anschluss, ein Kartenleser und eine Buchse für Kopfhörer sind ebenfalls an Bord. Zusätzlich ist noch ein SmartCard-Reader integriert und der Akku ist wechselbar. Dafür muss aber das Tablet ausgeschaltet werden, ein Akku-Tausch im Betrieb ist nur mit angeschlossenem Netzteil möglich. Fujitsu gibt eine
Akkulaufzeit von neun Stunden an.
Fujitsu hat sich für das Betriebssystem Windows 7 Professional entschieden, weil die Einbindung in bestehende IT-Infrastrukturen damit problemlos vonstattengehen kann. Vor allem Unternehmen werden das zu schätzen wissen, so hofft man. Um die umständliche Touchscreen-Eingabe unter Windows 7 etwas zu erleichtern, ist auf jedem Stylistic Q550 die „
Fujitsu Infinity Lounge“ installiert. Die Buttons sind größer und die Screens – auf dem Vorführmodell waren derer drei zu sehen – lassen sich mit Mini-Anwendungen füllen, wie sie von Windows 7 bekannt sind.
Ein Intel Atom Z670 wird dem Stylistic Q550 die Sporen geben – oder wenigstens versuchen. Die Leistung des Vorführgerätes war sichtbar schlecht. Beim Öffnen eines PDF-Dokuments zeigten sich Netbook-typische Verzögerungen und das animierte Starten der „Infinity Lounge“ lief nicht frei von Rucklern. Fujitsu begründet das mit dem Prototypen-Status des gezeigten Stylistic. Doch der neue Intel Atom Prozessor wird wohl auch in den Seriengeräten nur
befriedigende Leistung bieten. Multi-Tasking, hochauflösende Videos oder gar Bildbearbeitung sollten mit dem Fujitsu einiges an Zeit kosten. Schließlich liegt die Taktrate des Intel Atom Z670 bei nur 1,5 GHz. Durchaus denkbar, dass die Performance auch unter den etwas älteren Atom-CPUs (N450, N550) liegt. Wie sich die passive Kühlung auf die Hitzeentwicklung auswirkt, muss sich noch zeigen.
Nach den ersten Eindrücken ist die geringe
Leistung auch das einzige Manko des Fujitsu Stylistic Q550. Von der biederen Optik mal abgesehen. Auf der Habenseite verbucht das 10,1-Zoll Tablet einen entspiegelten (!) Monitor mit großen Blickwinkeln, guter Helligkeit und Eingabemöglichkeiten per Finger und Stift. Unternehmen, aber auch Privatpersonen, können sich über das ausgereifte Betriebssystem Windows 7 freuen, dass jedoch nicht wirklich für Touchscreens optimiert ist – Apple iOS und Google Android machen das besser. Der Vorteil von Windows 7 liegt bei der großzügigen Anschlussvielfalt und der praktisch nicht vorhandenen Umstellung für viele Nutzer.