Mit einer Preisempfehlung von 300 Euro ist das Archos Platinum 97 eines der günstigsten Tablets mit Retina-Auflösung. Die ältere Titanium-Variante des gleichen Herstellers kostet nochmals 40 Euro weniger. Das Platinum 97 eifert dem Design des weißen Apple iPad nach und besitzt wie dieses eine silberfarbene Aluminium-Rückseite. Anders als beim Archos-Vorgänger sitzt die Webcam nun in der Mitte, das Logo wandert unter das Display.
Geschenkt wird dem Kunden nichts. Irgendwo muss der Rotstift walten, um den günstigeren Preis gegenüber den Mitbewerbern zu erreichen. In diesem Fall ist es beispielsweise der Massenspeicher, der lediglich 8 GB klein ist. Allerdings kann man das Platinum mit microSD-Karten erweitern.
Bei den Bedienelementen verzichtet Archos auf eine Verriegelung gegen eine automatische Bildschirmrotation sowie eine Lautsprecherwippe. Die Lautstärke regelt man über den Touchscreen, die Icons liegen neben den üblichen Android-Navigations-Buttons. Das ist nicht ganz unproblematisch, denn beispielsweise sind die Buttons im Archos-Videoplayer nicht immer erreichbar und man hängt fest. Aus diesem Grund hat der Hersteller dem Platinum einen eigenen Home-Button an der Oberseite des Tablets spendiert.
Gespart zu haben scheint der Hersteller auch bei der Versiegelung des Bildschirms. Die Testgeräte am Archos-Stand auf der CeBIT zeigten teilweise schon am ersten Tag Kratzer im Display. Auf GPS, UMTS und Bluetooth muss der Kunde ebenfalls verzichten. Andere Ausstattungsvarianten des Platinum 97 bietet der Hersteller nicht an.
Das Display ist recht hell und kontrastreich und wenig blickwinkelabhängig. An die Brillanz eines iPad-4-Bildschirmes kommt es aber nicht heran.
Die Webcam löst mit guten zwei Megapixeln auf, die rückwärtige Kamera mit fünf Megapixel. Mitbewerber verbauen hier meist Kameras mit acht Megapixel. Die Bildqualität der hinteren Kamera ist mäßig, die Bilder arg verrauscht und detailarm. Irritierend fanden wir, dass sich neu geschossene Fotos nicht gleich anzeigen ließen – das Gerät hatte für die neue Bilder-Session einen neuen Ordner angelegt, zeigte in der Kamera-App aber nur die Bilder aus dem alten Ordner an.
Die sonstige Ausstattung überzeugt schon eher: Neben dem angesprochenen microSD-Kartenleser findet man noch einen Micro-USB-2.0-Anschluss, einen Audio-Port und einen Mini-HDMI-Ausgang am Tablet.
Das Gewicht gibt Archos mit 630 g an. Tatsächlich fühlt es sich etwas leichter an als das iPad 4. Der Unterschied ist aber gering. Hier bewegen sich beide Geräte auf einem Niveau. Zur Akkulaufzeit können wir naturgemäß keine Angaben machen. Archos nennt lediglich sieben Stunden Videowiedergabe mit einer Akkuladung.
Die Leistungsdaten bleiben teilweise im Dunkeln. Von den Archos-Mitarbeitern wusste keiner, was für ein Prozessor im Tablet steckt und auch andere Webseiten schweigen sich dazu aus. Nur den Prozessortakt verrät der Hersteller, er beträgt 1 GHz. Angaben wie 1,2 GHz, die man teilweise im Netz findet, stimmen nicht. Dem Quad-Core-Prozessor stehen 2 GB Arbeitsspeicher zur Seite, doppelt so viel wie beim Vorgänger. Unterstützt wird die Grafikausgabe von einer Grafikeinheit mit acht Kernen. Archos macht auch hier keine weiteren Aussagen, nach Datenblättern von Händlern im Netz soll es sich aber um eine PowerVR SGX544 handeln.
Die technischen Werte sind eine Sache, die Benutzererfahrung eine andere: Der Archos-eigene Videoplayer spielte beispielsweise ein bestimmtes HD-Video nur ruckelnd ab. Der Google-Player zeigte dieses Problem hingegen nicht. Einen trägen Eindruck machte teilweise der Wechsel zwischen den Applikationen. Ein signifikanter Geschwindigkeitsvorteil gegenüber dem Titanium HD war nicht feststellbar. Der Vorgänger hatte aber mit der Videowiedergabe keine Probleme. Auf dem Gerät kommt Android 4.1 zum Einsatz. Android 4.2 bleibt derzeit den Google-Geräten vorbehalten.
Die Klangwiedergabe konnten wir nicht testen, dazu war es in der Halle zu laut und die Lautsprecher zu leise.
Auf den ersten Blick scheint das Archos 97 Platinum ein gelungenes Produkt zu sein: Viel Auflösung für wenig Geld. Das Nexus 10 kostet 400 Euro, hat 16 GB Speicher, aber keinen microSD-Kartenleser. Damit ist das Archos 97 Platinum ein Schnäppchen, falls man sich eine Auflösung jenseits von Full HD wünscht. In Kauf nehmen muss man unter anderem eine hakelige Bedienung sowie den Verzicht auf Bluetooth. Wie sagt man so schön: Was nutzen einem die schönsten Augen, wenn man nicht durchgucken kann.